Review des SC3-Konzerts von rbd/BA63
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SURFING MONKS
Frankfurt? Wozu? Wegen Shazad Ismaily & Ches Smith, seit ihren Gastspielen mit 2 Foot Yard bzw. Ceramic Dog persönliche Schätzchen von uns Würzburger Freaks.
Am Sonntag, 5.Juli 2009, gastierten sie im Nachtleben mit einer besonderen Attraktion, den mysteriösen SECRET CHIEFS 3. Die Formation des Gitarristen Trey Spruance steht in direktem Bezug zu Mr. Bungle, die Spruance 1985 mitbegründete und bis 2000 mitbestimmte, und zu John Zorn, dessen Xaphan – Book of Angels sie 2008 einspielte, mit dem das eigene Book M (2001) und Book of Horizons (2004) insofern korrespondieren, dass sie Texten der Weisheit und der Hermetik Referenz erweisen.
Spruance, optisch zwischen Pope und Musketier, verehrt, neben Devo, Laibach und Sun City Girls, explizit auch den persischen Sufi Shahab al-Din Suhrawardi, den Illuminationsphilosophen Henry Corbin, den antimodernen Julius Evola, den Traditionalisten René Guénon und den poetischen Terroristen und T.A.Z.-Utopisten Hakim Bey und überbaut damit Secret Chiefs 3 aufklärerisch-okkult, um das mal oxymoron zu benennen. Was immer man jedoch erwartete, als es, nach einigen Präliminarien und Äppelwois, um 22:40 endlich losging in einem auf 37° aufgeheizten Schwitzkasten, darauf, dass eine Surfband in Anzug, weißen Hemden und Krawatten die Bühne stürmen würde, waren die Wenigsten gefasst. Dick Dale auf Speed, Link Wray, dass es nur so rumpelte (nur Eingeweihte erkannten das als UR, einer der 6 Aspekte von Secret Chiefs 3 neben The Electromagnetic Azoth, Ishraqiyun, Traditionalists, Holy Vehm und FORMS). Uff!
Als man sich am Bühnenrand neu sortiert hatte – das Nachtleben war proppenvoll mit Indievolk – kehrten die Fünf als Schwarzkutten wieder und stimmten vertrackte orientalische Rhythmen à la ‚Medieval’ an – die Ishraqiyun-Gesichter unter Kapuzen verborgen. Timb Harris (von Estradasphere), der neben der Surfguitar auch Trompete gespielt hatte, die bei der Temperatur an den Tucson-Sound von Calexico erinnerte, begann nun zu geigen, dass ich öfters mal den Kopf einziehen musste, damit er mir kein Auge ausstach. Kamele schaukelten, Bauchtänzerinnen gaukelten, Derwische wirbelten, bis die Saz-Gitarre von Spruance mitten in seinem virtuosen Spiel auseinanderbrach.
Dann halt Plan B – SC3-Favourites. Er tunete seine normale Gitarre eben exotisch und zauberte weiter. Selbst Jai Young Kim, der am linken Flügel orgelte, stand bei einigen der seltsamen Riffs von Spruance das Fragezeichen ins Gesicht geschrieben. Ein Möchtegernstagediver wurde hochkant von der Bühne gekickt. Smith trommelte, als ob er den Teufel an die Wand nageln wollte und verausgabte sich, dass er zwischen den Stücken nach Luft japsen musste. Volle Power wechselte immer wieder mit delikaten Passagen, bei denen die Fünf ihre ‚neo-pythagoreisch-kosmologische’ Raffinesse zeigen konnten. Die Verbindung von eckigen Knicken und hypnotischem Flow, arabesker Beschwingtheit und Brachialität, liftete das Nachtleben auf Dampfwolke 9. ‚Mein’ Höhepunkt begann im ¾-Takt at the Rivers of Babylon und eskalierte zum Bigfoot-Trolltanz, bei dem der hoppsende Ismaily mit seinem Bass Highhat und Mikrophonständer umschmiss, ohne dass das jemanden groß störte. Tobende Zustimmung bescherte uns Schweißgebadeten eine Reprise von UR. Ohne Kutten rauschten die generösen Mindfucker noch einmal durch die Brandung, getoppt von Timb Harris, der auf dem Monitor balancierend seine Gitarre an die Deckte schruppte.
Wipe Out!!!